![]() | ![]() |
|
Nur für Sekunden spürst du, warum du dir das antust. Aber diesen Moment wirst du nie vergessen! Dieser Spruch, mit dem dazugehörigen Bild von der Ironman Seite, hing 48 Wochen, also seit der Anmeldung bei mir im Bad. Und sehr oft habe ich überlegt, schaffe ich das und wie wird dieser Moment sein? 06.07.2008 um 19 Uhr 50 min 09 sek ist der Moment da! Nach 12 Stunden 50 min. und 09 sek. bin ich ein ![]() Es ist einfach nur saugeil! Auch wenn ich den Zieleinlauf beim Training ca. 2000 mal gedanklich durchgespielt habe, ist er natürlich komplett anders! DIE VORBEREITUNG: 2007 sehe ich mit Interesse und eher durch Zufall die Berichterstattung vom Ironman 2007 auf Hessen 3 und bin nur begeistert. Am nächsten Tag wollte ich einfach mal sehen, was so für Zeiten von Altersklassen Athleten gebracht werden. Und wieder ein Zufall, in 3 Stunden öffnet die Anmeldung für 2008. Es klappt, ich habe einen Startplatz! Ich schaffe schlussendlich in den 48 Wochen durchschnittlich 9 Stunden Training pro Woche. Das ist nicht sehr viel, aber die Sonntage bleiben weitestgehend frei, für die Familie. Für einen Triathlon über die Olympische Distanz (1,5 / 40 / 10), welchen ich in den letzten 3-4 Jahren ein oder zwei Mal pro Jahr absolviert habe, haben mein 4-5 Stunden Training pro Woche und die letzten 8 Wochen etwas intensiver, ja immer gelangt, um mit Spaß am Wettkampf teilzunehmen. Aber für 3,8 km schwimmen, 180 km Rad fahren und noch 42,125 km laufen? DER IRONMAN: Zwei Wochen vor dem Wettkampf setzt mich eine Erkältung erst mal komplett außer Gefecht. Ich glaube, dass mein Körper nach 12 bis 15 Stunden Training pro Woche in den letzten 8 Wochen sagt: „Es langt, ich brauche Pause zum regenerieren.“. Na vielen Dank Körper! Kannst du die vorstellen, dass es für meine Psyche nicht gerade gut ist, dass du jetzt schlapp machst! Anreise am Donnerstag und die Ungewissheit wächst! Am Samstagabend wird seit 6 Wochen der erste Alkohol getrunken, da ich hoffe durch das Weizenbier etwas besser schlafen zu können. Normalerweise kann eine Boing neben mir landen, wenn ich schlafe, aber in der Nacht höre ich die Toilettenspülung drei Häuserblöcke entfernt. Als ich dann endlich schön schlafe, klingelt der Wecker. Es ist 3.30 Uhr. Nach einem Frühstück geht es mit dem Shuttlebus zum Langener Waldsee. Im Bus bin ich mit Kanadiern, Spaniern, usw. „Man kommen die alle von weit her, um sich zu quälen!“! Um kurz vor 6 Uhr am See angekommen. Rad und Wechselsachen noch mal gecheckt, alles okay. Pulsmesser angelegt Neo an und ab zum Wasser. „Oh der Puls ist aber für Gehen ganz schön hoch.“ Aber zum Glück sind noch mehr Gesichter unterwegs, welchen die Anspannung anzusehen ist. Die Profis starten um 6.45 Uhr und es folgt die Aufforderung für uns, ins Wasser zu gehen. Im Internet ich habe immer wieder gelesen, man solle sich als nicht so guter Schwimmer im Wasser rechts halten. Die meisten starten ganz links, um den kürzesten Weg zu haben und damit ist dort dann auch natürlich mehr „Action“. Den kleine Hang hinunter zum Wasser, höre ich wie eine Frau einer anderen erzählt: „Geh nicht nach rechts, das haben sie letztes Jahr auch erzählt. Dann waren links und rechts ganz viele und in der Mitte keiner.“ Also ab ins Wasser und doch nach rechts... Aber dort werden es wirklich von Sekunde zu Sekunde mehr. Da der Start erst in 10 Minuten ist, man aber keinen Boden mehr unter den Füßen hat, heißt es Wasser treten, um nicht unter zu gehen. Die Füße der Starter vor, hinter und neben mir schlagen gegen meine und meine gegen ihre Beine. Na das kann ja heiter werden! Ich beschließe, mir das nicht zu geben. Da ich den Eindruck habe, dass in der Mitte wirklich weniger los ist, schwimme ich eben mal da hin. Habe ja noch Zeit und ob ich jetzt weiter die Kneipp Kur mache oder schwimme, ist ja egal. Der Platz vergrößert sich von 20 cm, auf sagenhafte 50 cm, aber ich bekomme keine Füße mehr ab. Das sollte aber nicht so bleiben... Endlich der Start - es geht los! Nach ein paar Kraulzügen habe ich die ersten Füße kurz vor mir. Von rechts gibt es einen Schlag auf den Kopf. Hallo, was ist das? „ Boxen live auf HR 3?“ Es ist wie auf der Autobahn! Wenn ein Ferarrie auf einen Stau zu fährt, kommt er auch nicht schneller voran. Also mal auf Brustschwimmen gehen, um die Lage etwas besser sondieren zu können. Rings um mich herum ist alles dicht. Erst mal so weiter schwimmen, bis es sich etwas lichtet... Hinter mir so ein unentspannter Typ, der auf der Autobahn sicher immer so ein Cowboy ist. Nach einigen Schlägen auf Beine und Füße, denke ich mir: „Lass ihn vorbei. Vielleicht ist er ja wirklich schneller.“ Aber die Schwimmer, welche bis jetzt vor mir waren, lassen ihn nicht vorbei. Immer mal wieder geht es ein paar Züge im Kraul weiter, um aber gleich wieder stoppen zu müssen. Dieser ständige Rhythmuswechsel bringt meinen Puls hoch und mir schießen die Gedanken in den Kopf, welche ich seit Tagen verdränge... Vor 20 Jahren habe ich mir mehrmals beim Basketball spielen die Schulter luxiert, bis ich operiert werden musste. Eigentlich hatte ich danach keine Probleme mehr, aber beim Trainingslager in Zypern im März diesen Jahres, beim simulierten Schwimmstart mit 10 Leuten im Pool, war es mal wieder so weit: „Schei…..! Der Arm war wieder mal draußen.“ Und jetzt dieses Gedränge. Wenn es jetzt wieder passiert, war die ganze Vorbereitung für die Katze und du säufst 10 Minuten nach dem Start ab. PANIK!! Zum Glück lichten sich die Reihen und die ganze Nummer entzerrt sich. Und der Typ, welcher unbedingt an mir vorbei wollte, der ist doch glatt langsamer als ich. Also an ihm und einigen anderen vorbei geschwommen, Rhythmus finden und es geht wunderbar in 1:15 Stunden nach „Hause“. Im nachhinein war es gar nicht so schlimm. Es sind eben 2000 Verrückte, die los wollen... Der Wechsel aufs Rad geht locker und ich habe das Gefühl, alles zerreisen zu können. Aber bloß nicht zu schnell angehen. Ach ja, die haben ja immer vom Essen und Trinken gesprochen. Na dann mal schnell zwei von den Riegeln rein! Ich dachte so an einen 30er Schnitt. Wie schnell bin ich eigentlich? Wieso geht der Tacho eigentlich nicht? So ein Mist - der Funktacho zeigt „zu viel Signale“. Na ja, sind ja auch ganz schön viele um mich herum. Am Ende bin ich laut Tacho 126 km gefahren. Darum habe ich nach 20 km beschlossen den Tacho, Tacho sein zu lassen. Habe auf aktuelle Uhrzeit gestellt, die Zeiten grob selbst berechnet und bin dann einfach nach Gefühl weiter gefahren. Als ich zum zweiten Mal am Römer vorbeikomme, also die erste Runde beendet habe, ist es 11.30 Uhr. Ich bin jetzt mit der Anfahrt vom See so bei 105 km und erst 3 Stunden gefahren. Also locker über einem 30er Schnitt. Klasse! Aber leider ist meine Familie nicht am vereinbarten Treffpunkt. Na ja, bin ja auch 20 bis 30 Minuten vor der vereinbarten Zeit. Bei der ersten Anfahrt haben sie mich überrascht und ich habe kurz angehalten. Also ab auf die zweite Runde! Die Stimmung ist klasse und ich habe das Gefühl von guten Beinen. Endlich steht mein Freund Frank an der Seite. Am See habe ich ihn einige Male gesehen und eigentlich wollte er auf der Radstrecke ein paar mal da sein. Ich hatte mich schon gewundert, wo er ist und schob es auf meine zu schnellen Durchgangszeiten. Ich war aber nicht zu schnell, sondern er hatte bereits den dritten Platten! Dafür hatte ich keinen! Danke Frank - du bist eben ein echter Freund und nimmst mir sogar die Panne ab! So bei 140 km überkommt mich dann aber, wie soll es auch anders sein, ein Gefühl, dass jeder Raucher kennt. Sonst rauche ich leider immer noch so 25 Zigaretten am Tag und jetzt seit 6 Uhr keine Einzige mehr. Was soll es, ich bin gut unterwegs und Zigaretten habe ich ja vorsichtshalber in meiner Trikotasche. Man tat die gut! Aber der mobile Radservice, welcher mein Rad am Rand stehen sah und dachte ich brauche seine Hilfe, war glaube ich etwas überrascht, nicht einen Teilnehmer mit einer Panne zu sehen. Ab in die Wechselzone Rad - Lauf. Schnell der Wechsel in die Laufschuhe. Ein Arzt spricht mich auf das Stück Papier in meinem linken Nasenloch an, und ob alles okay ist. Daran habe ich gar nicht mehr gedacht. So bei 160 km bekam ich auf einmal Nasenbluten. An einer Polizeiabsperrung habe ich ein Taschentuch bekommen und es ging weiter. Der Arzt gab mir schnell ein Neues mit dem Tipp, etwas Sonnencreme darauf zu machen. Warum, hat er mir zwar gesagt, aber so genau weiß ich das nicht mehr. Nur, dass er sagte, das riecht etwas komisch, ist aber besser. Und er hatte Recht, nur „das Etwas“ war untertrieben. Es geht zum Laufen. Die ersten Meter ist es zwar wie auf Eiern, aber das wird schnell besser. Die Stimmung ist genial! Durch den Namen auf der Startnummer schreien mich Zuschauer mit meinem Namen an, die ich noch nie gesehen habe. Die erste Runde geht gut und ich laufe sie in einer Stunde, so wie ich es mir vorgenommen habe. Ich fange an zu rechnen. Mein Ziel war finishen, wenn es klappt, mit etwa 12 Stunden. Und so heimlich dachte ich, wenn alles optimal geht, ist eine 11- Stunden-Zeit möglich. Wenn es jetzt so weiter geht, kann es mit 11 Stunden klappen! Aber dann kam das Ende der zweiten Runde und es kam das, was ich schon häufig im Internet gelesen hatte.... Mein Magen drehte sich so um 180 Grad, ich hatte Krämpfe und dachte jeden Moment muss ich mich übergeben. Mir schossen Bilder vom Werner Comic durch den Kopf. Ich hatte jetzt nur noch Flüssiges in mir. Wenn es jetzt los geht, kommt das so hoch, dass ich dem nächsten Zuschauer vor die Füße Ko…. Und das, wollte ich den phänomenalen Zuschauern wirklich nicht antun. Somit, stand ja im Netz nur noch Cola Getrunken aber immer wieder nach 100-150 Meter Laufen wurde es wieder so, dass ich gehen musste. Aufgeben kam aber nie in den Sinn, denn ich hatte mir ein neues „Feindbild" aufgebaut. Der Helfer, welcher dich nur mit 4 Bändern am Arm in den Zielkanal abbiegen lässt, der machte zwar einen guten und auch freundlichen Job, aber ich sagte mir bei ihm immer: „ Du lässt mich auch noch vorbei!“. Meine Familie und Freunde konnte ich auf dem Rundkurs zwei mal pro Runde sehen. Das tat gut, in diese Gesichter zu sehen! Und dann endlich nach zwei mal ca. 1 Stunde 30 Minuten in den Zielkanal. Abklatschen mit den Zuschauern. Für die letzten 100 Meter meine Tochter an der linken und die Tochter meines Freundes an der rechten Hand. Und die Zuschauer machten eine Welle mit uns mit! Ist das Geil!! Durch den Zielbogen und nur noch erschöpfte Freude. Ich habe es geschafft!Danke an Alle, die mich unterstütz haben. Vor allem an meine zwei Mädels, dass ich diesen Tag erleben konnte. Den Helfern, die in einer von mir noch nie Kenengelernten Art zu diesem Tag Beigetragen haben müsste man viel mehr als nur Danke sagen. Aber das schöne ist ich glaube das langt ihnen sogar. DANKE Und zu guter Letzt habe ich von meine „Sponsoren“ jeweils 150 Erlaufen. Was in Summer 2700 ergibt. Somit kann ich jetzt SOS Leipzig und dem Mylin Projekt jeweils 1500 € übergeben. Für Menschen die jeden Tag genauso viel und mehr Kämpfen müssen wie ich an meinem. Nur ich tat das freiwillig und mit Spaß. Ach ja, am Ende der Vorbereitung sagte ich immer das wird mein erster und letzter Ironman. Am Montag Mittag war klar. Nächstes Jahr komme ich als Zuschauer und 2010 mache ich mir ein Geschenk zum 40. Geburtstag. Es gibt doch auch einen Ironman in Kanada, oder?! [zurück] |
|
| impressum |